© Fotoarchiv Helena Melikov

Die Wiedergeburt

von Aleksej Tikhonov

An dem einen Ufer. An dem Anderen. An dem Ufer des Flusses. An den Ufern von Seen. Die Gewässer trennen und verbinden. Die Ufer sind das Ende und der Anfang. Das Wasser ist der Anfang und das Ende.

 

Angelegt am Ufer. Gestrandet. An dem Ufer des Flusses. Ist es vor dem Krieg gewesen? Sind es die Jahre danach? Kann die Rückschau die Antwort geben und das Gedenken zur Mahnung reformieren? 

 

Uniformen angelegt. Uniformen abgelegt. Die Blicke kreuzen sich. Die Kreuze lassen sich am Horizont erblicken. Sie werden immer mehr. Neue Menschen. Junge Menschen. Pflegen Gräber, ruhen in Gräbern, schweigen in Wäldern.

 

Die Sommersonne scheint. Wirft den Knaben ihre Blicke zu. Die Feuersbrunst erwacht. Himmelblau. Weizengold. Dem Heimgang entflohen. Dem Fernweh so nah. Die Finger betasten die Ruder. Die Hände umschließen fest den Griff.

 

An dem Ufer. In den Gräsern. Im Rauschen des Wassers. Im Rausch des Sommers. Der Bach wird zum Gefährten und zum Stifter der Stille. Allein die dünngesäten Laute der Freude durchbrechen diese Ruhe.

 

Angelegt am Ufer für eine ungewisse Zeit. Wann endet diese Zeit? Wann kommt die neue Ära? Wird es denn das Ende der Uniformen sein? Oder sind die Menschen selbst der Hafen und das Zeugnis der Normierung?  

 

Mit Leid und Kleid geschaffen. Phantasien und Phantome. Im Geläut der Feuerwehren, der Kirchen und der Klöster. Mit Freud und Demut die Feuersbrunst bekämpft, und sich ihr doch im Freien und Geheimen ergebenst hingegeben.

 

Die Sommerwinde wehen und langen mit der Hand der Reife hin. Die drei Gestrandeten. Erfüllt mit Lebenswunsch. Mit raschem Puls. Geschwind ergriffen von der Wonne. Wiedergeboren. Quer durch die Zeit zu uns gelangen sie als Flut. 

Summertime Madness Summer Edition 2022

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